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Nur wenige Namen in der Uhrenherstellung tragen das Gewicht von A. Lange & Söhne. Gegründet 1845 von Ferdinand Adolph Lange in der sächsischen Stadt Glashütte, wurde die Marke zu einem Eckpfeiler der deutschen Präzisionsuhrmacherei, bevor sie nach dem Zweiten Weltkrieg durch die sowjetische Verstaatlichung zum Schweigen gebracht wurde. Ihre Wiederbelebung im Jahr 1994 durch Walter Lange, den Ururenkel des Gründers, ist eine der großen Comeback-Geschichten der Uhrmacherkunst. Als Lange neu startete, geschah dies mit vier Uhren gleichzeitig. Alle vier waren Meisterwerke. Aber eine wagte es besonders, die Erwartungen zu trotzen: Sie war nicht rund.
Eine deutsche Interpretation der eckigen Form
Rechteckige Uhren waren nie das Hauptmerkmal von Lange. Doch der Vorstoß der Marke in das eckige Design ist kein beiläufiger Fußnote. Günter Blümlein, eine Schlüsselfigur bei Langes früher Wiederbelebung, hatte zuvor als Führungskraft bei Jaeger-LeCoultre gearbeitet, dem Haus hinter der ikonischen Reverso. Es war nur natürlich, dass Blümlein eine deutlich deutsche Antwort auf die großen rechteckigen Uhren jener Zeit liefern wollte. Das Ergebnis waren zwei Kollektionen, die zu den feinsten eckigen Zeitmessern zählen, die je produziert wurden.
Die Arkade – Wo alles begann
Als Lange 1994 zusammen mit der legendären Lange 1 und Saxonia zurückkehrte, stellte die Marke auch die Arkade vor. Hauptsächlich als Damenuhr konzipiert, nahm die Arkade eine interessante Position ein, rechteckig angelehnt, mit sanft abgerundeten Ecken, die ihr eine fast kissenartige Anmutung verliehen. Angetrieben vom Lange-Kaliber L911, dem ersten rechteckigen Werk der Marke, legte die Arkade das mechanische und ästhetische Fundament für alles, was folgen sollte. Es war ein elegantes Stück, das jedoch Raum für etwas Kühneres ließ.
Die Cabaret – Langes kühnste Aussage in Stahl und Gold
1997 präsentierte A. Lange & Söhne auf der Baselworld die Cabaret, und sie war anders als alles, was die Marke zuvor produziert hatte. Während die Arkade sich sanft dem Rechteck näherte, umarmte die Cabaret es vollständig. Mit 36,3 mm × 25,9 mm verfügte sie über ein vollständig rechteckiges Gehäuse aus drei Teilen mit abgestuften Lünette, leicht ausgestellten Bandanstößen und einem Zifferblattdesign, das scharf vom Saxonia-Stil abwich. Der Name war bewusst provokativ: frisch, frech, einfallsreich, wie es in der ursprünglichen Pressemitteilung hieß. Die Cabaret war Langes Eingeständnis, dass Präzision und Persönlichkeit sich nicht ausschließen.

Was die Cabaret außergewöhnlich machte, war nicht nur das Gehäuse, sondern alles im Inneren und auf der Oberfläche. Das Kaliber L931 war ein rechteckiges, geformtes Lange-Werk mit der charakteristischen handgravierten Unruhkloben, einer Dreiviertelplatine aus deutscher Silberlegierung, gebläuten Schrauben und Goldchatons – alles Merkmale der Glashütter Veredelung, angepasst an ein nicht rundes Gehäuse. Das übergroße Datum bei 12 Uhr verband sie unverkennbar mit der DNA von Lange. Die römischen Ziffern und die diamantförmigen Zwischenmarkierungen knüpften an die Saxonia an. Doch der Gesamteindruck war ein künstlerischer Mut, wie man ihn selten von einer Marke sieht, die sonst mit strenger Zurückhaltung assoziiert wird.
Im Laufe der Jahre wurde die Cabaret in Roségold, Weißgold, Platin und Gelbgold angeboten, mit Zifferblättern von Schwarz über Blau, Silber, Champagner bis hin zu Perlmutt. Es gab eine Mondphasen-Variante und, am bemerkenswertesten, eine Cabaret Tourbillon, historisch bedeutsam als die erste Tourbillon-Uhr mit Sekundenstopp-Mechanismus. Die Produktion wurde um 2010 eingestellt, mit Sondereditionen bis 2013. 2021 erschien eine Cabaret Tourbillon Handwerkskunst in einer limitierten Auflage von 30 Stück, was bestätigte, dass der rechteckige Geist bei Lange nie wirklich erloschen ist.
Warum es wichtig ist
Das rechteckige Kapitel von A. Lange & Söhne ist im Vergleich zum runden Sortiment kurz, aber nicht weniger bedeutend. Die Cabaret und Arkade zeigen, dass Langes Designphilosophie – Geometrie im Dienst der Eleganz, Werkveredelung als Kunst – sich nahtlos in die eckige Form übersetzen lässt. Für Sammler repräsentieren beide Modelle etwas zunehmend Seltenes: Lange-Handwerkskunst in einem Format, das dem Mainstream trotzt, zu Preisen, die der Sekundärmarkt noch nicht vollständig erkannt hat. Die rechteckige Lange ist vielleicht das bestgehütete Geheimnis der deutschen Uhrmacherkunst.
Für einen vollständigen Leitfaden zu rechteckigen Uhren – Mehr lesen






















































